Der Wahlkampf ist eröffnet. In der Suche nach Andockstellen, die es ermöglichen der AfD mal kräftig vor das Schienbein zu treten, hat man sich nun die Rede von Björn Höcke ausgesucht, die er am 17.01.2017 in Dresden gehalten hat. Da wird man auch schon mal verleumderisch und verdreht den Sinn der Rede.

Die Pseudoeliten aus den Altparteien, die Systemmedien und jene, die schon immer zu allem etwas zu sagen haben, fühlen sich beim Thema der falschen Maßstäbe und falschen Prioritäten bei der Identitätsfindung der Deutschen, das Höcke in seiner Rede aufgegriffen hat, nicht nur angepisst, sondern diese Berufsvergangenheitsbewältiger fühlen sich auch in ihren quasi-religiösen Gefühlen verletzt, da er angeblich das Holocaust-Gedenken der Deutschen kritisiert hat. Üble Verdächtigungen bis hin zu Nazivorwürfen stehen im Raum. Man hat den Eindruck eines Tollhauses, in dem sich diese Klientel zum gemeinsamen Veitstanz verabredet hat.

Ich will hier nicht darauf eingehen, was wirklich gesagt und was vordergründig daraus gemacht wurde. Das ist in den Stellungnahmen von Björn Höcke des Vorstandes der Patriotischen Plattform schon geschehen. Ich möchte hier Augenmerk auf einen anderen Aspekt dieses Problems richten. Was glaubt mann denn, welche Wirkung dieses Schauspiel im In- und Ausland hat, wenn die Deutschen ihre Schandtaten ständig wie eine Monstranz vor sich hertragen? Hier im Lande kann man damit keine Punkte bei der Bevölkerung mehr machen. Die hat diesen permanent exerzierten Schuldkult satt. Noch dazu, wenn die Adressaten, die sich vielleicht rechtfertigen müssten, gar nicht mehr unter uns sind. Im Ausland erntet man zumindest Kopfschütteln. Vordergründig, heuchlerisch, wird natürlich applaudiert, hintergründig rümpft man die Nase über die Deutschen und macht sich lustig über diesen Nationalmasochismus. Aber vielleicht ist es sogar noch schlimmer. Werden die Deutschen eventuell sogar verdächtig, wenn sie diesen Kult so exzessiv betreiben? Fragt man sich dort vielleicht, ob die Deutschen etwas verbergen und ihre Nachbarn in Sicherheit wiegen wollen, wenn man zu solch einer Gigantomanie, wie dem Holocaustdenkmal greift? Oder hat man den Eindruck, dass sich die Deutschen moralisch über sie stellen wollen, weil dort zuerst die stolzen Abschnitte der Geschichte präsentiert werden und erst dann auch die, in denen man nicht so vorzeigehaft gehandelt hat, um in der Summe eine positive Identität zu stiften? Möglicherweise wird sogar wieder der Eindruck erweckt, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll.

Das will man im Ausland mit Sicherheit nicht wieder von uns hören.

Gernot Bergmann