Begleitet von amerikanisierten Werbekolonnen rollt in diesen Tagen wieder die globalisierte Konsumwelle eines inzwischen weitgehend säkularisierten und auf Materialismus beschränkten Weihnachtsfestes über unser Land. Doch trotz dieser zunehmenden Negativentwicklung erfreut sich das traditionell deutsche Begehen der Advents- und Weihnachtszeit weiterhin hohem Ansehen im Volk. Die vielbeschworene, zu Unrecht belächelte, deutsche Innerlichkeit hat ihre Ursprünge in der Vorstellung einer besinnlichen, zum Nachdenken und Selbstreflektieren anregenden Zeit der persönlichen Einkehr. Aus diesem Kontext entstammen die uns bekannten germanisch-heidnischen und deutsch-christlichen Gedichte, Lieder, Überlieferungen und Traditionen, die in einem so gegensätzlichen Verhältnis zur medialen Darstellung heutiger Zeit stehen und trotz alledem den spirituellen, familiären und gemeinschaftlichen Grundgedanken des Heiligen Abends in Überresten bis heute bewahrten. Angesichts wachsender Kommerzialisierung, deren Werbestrategen zur Steigerung der Verkaufszahlen ungeniert die heidnisch- christlichen Wurzeln des Weihnachtsfests mit amerikanischer Kitsch(un)kultur verschmelzen, scheint der Primat der Wirtschaft nach der Politik nun auch endgültig die Gesellschaft zu kontrollieren. Obwohl Heiliger Abend und Weihnachtstage immer schon Anlaß zu gutem Trinken und üppigem Mahl waren, erkannte man dahinter eine tiefere Bedeutung. Gedanken wie Familiensinn, Geborgenheit und Innerlichkeit verbanden sich mit einer „Dankbarkeit gegenüber der Schöpfungsordnung“ (Manfred Müller) zu wirklich weihnachtlichen Idealen, derer die zeitgeistliche Trivialisierung der weihnachtlichen Botschaft absolut zuwiderläuft. Die Sehnsucht nach einer besinnlichen, stillen Weihnachtszeit ist ein Charakteristikum deutscher Mentalität und zeigt deutlich die kulturellen Grenzen zu übertriebenen, kommerzialisierten Begehensweisen auf. Der fortschreitenden Bedrohung deutscher Kultur und tradierten Brauchtums kann gerade in einer Rückbesinnung zur Weihnachtszeit Einhalt geboten werden. Die Entscheidung über diese Form der Bewahrung kultureller Güter und Traditionen obliegt letztlich aber dem Rückhalt der Nation: der Familie und ihrem individuellen Bekenntnis zur traditionellen deutschen Weihnacht!

Mag. Sebastian Pella