Die Anhänger der EU bemühen gerne große historische Vergleiche. Sie spannen Bögen von der Völkerschlacht bei Leipzig bis hin zum ersten und zweiten Weltkrieg und suggerieren uns, Europa würde ohne die EU in die Zeit vor 1945 zurückfallen, als Kriege an der Tagesordnung waren. Der „Nationalismus“, den die EU überwunden habe, sei die Ursache der Kriege.

Solche Vergleiche sind abwegig. Deutschland ist in Europa von Freunden umgeben. Internationale Verständigung, lebhafter Handel und ein grundsätzlicher Wandel der Einstellung zum Verhältnis von Krieg und Politik machen auch ohne die EU bewaffnete Auseinandersetzung innerhalb Kerneuropas in höchstem Maße unwahrscheinlich. Die Geschichte wiederholt sich nicht.

Wenn das Verhältnis der europäischen Völker heute unter etwas leidet, dann unter der EU selbst. Die Eurokrise hat Südeuropa gegen Nordeuropa aufgebracht, die Einwanderungskrise Osteuropa gegen Westeuropa. Deutschland ist heute in Griechenland so sehr verhaßt wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die EU ist die Hauptquelle des Unfriedens in Europa.

Die Verursacher der großen Kriege in Europa waren nicht die Nationalstaaten, sondern Imperien, die über ihre nationalen Grenzen hinausstrebten. Nicht Nationalismus, sondern Imperialismus führt zu Krieg, und die EU ist nichts anderes als ein Imperium.

ralfundfelix