Das parteiinterne Standargargument gegen Björn Höcke im jüngsten Streit um seine Äußerungen zum Reproduktionsverhalten von Afrikanern und Europäern lautet in etwa so: Björn Höckes Äußerungen haben uns geschadet, weil die Partei in den Medien in die Kritik geraten ist. Nun muß die Partei gegen Höcke vorgehen, um ihren Ruf zu retten und ihren Erfolg zu sichern.

Schlechte Presse gab es zuhauf, das ist richtig. Die auf ihren Arbeits(beschaffungs)stellen für Rechtsextremismus und ihren Stiftungsposten sitzenden Lobbyisten der Diffamierungsindustrie haben im Rudel aufgeheult. Das gesamte politisch-mediale Establishment hat sich – wieder einmal – auf den Wortlaut einer Rede gestürzt, sie zerpflückt, jeden Satz nach braunen Spuren abgesucht, als wäre es Goldstaub, und inquisitorische Debatten darüber angezettelt, was wer genau gesagt hat, wie er es gemeint hat und ob man das noch sagen darf oder nicht mehr sagen darf. So weit, so gewöhnlich.

Geschadet aber hätte uns all das nur dann, wenn negative Presse mit Schaden gleichzusetzen wäre. Wenn dem so wäre, müßten wir schon längst vernichtet sein, bei all der schlechten Presse, mit der wir Tag für Tag überschüttet werden. Daß unsere Presse kontinuierlich je schlechter geworden ist, je größer unser Erfolg wurde, legt einen ganz anderen Schluß nahe. Auf Erfolge der AfD reagiert das Establishment mit Angriffen, was unseren Erfolg – für manchen erstaunlich – vergrößert, worauf die Angriffe heftiger werden usw. usf. Aus Sicht des Establishments ein Teufelskreis, aus unserer Sicht eine Erfolgsgeschichte. Die Krise der etablierten Medien ist das Geheimnis unseres Erfolgs. Wir sind stark geworden, weil sie schwach geworden sind.

Unter unseren Mitgliedern, Sympathisanten und Wählern hat sich eine negative Rezeptionskultur ausgebildet, die Meldungen der etablierten Presse unter umgekehrtem Vorzeichen wertet. Jeder, der von dorther angegriffen wird, steigt im Ansehen, jeder, der gelobt wird, erscheint suspekt. Dieses Muster ist mittlerweile so stark, daß es nicht nur bei unberechtigten Skandalisierungsversuchen infolge nonkonformer Meinungsäußerungen, sondern auch dann bemüht wird, wenn die Presse auf tatsächliche sittliche oder anderweite Verfehlungen von Funktionären hinweist. Jeder negative Artikel erscheint auf einmal als Verschwörung. Darin liegt eine gewisse Gefahr, weil so Kritik innerparteilich auch dann schnell erledigt wird, wenn sie berechtigt wäre, aber das ist ein anderes Thema.

Um unsere Erfolgsspirale nicht zu gefährden, dürfen wir jedenfalls nicht anfangen, um die Stimmen derer zu buhlen, die noch dem langsam aber sicher austrocknenden Hauptstrom verfallen sind. Nichts wäre schädlicher. Dazu müßten wir uns anpassen und würden alles, was unseren Erfolg und unsere Attraktivität ausmacht, verlieren. Wir würden gegen unser Gesetz handeln und in den Abwärtssog der etablierten Parteien und Medien geraten, die schon seit Jahren kontinuierlich an Wählern, Lesern, Autorität und Bindungskraft verlieren. Stattdessen sollten wir selbstbewußt jene Gegenkultur, auf der unser bisheriger Erfolg beruht, fördern und stark machen. Unsere Aufgabe ist es, all jene einzusammeln, die sich angewidert von den etablierten Parteien abwenden und eben nicht mehr glauben, was geschrieben wird. Die Verhältnisse arbeiten für uns.

Nur ein Wahlerfolg, der auf ein solches Fundament gründet, wäre eine nachhaltiger Erfolg, weil er den Boden für jene grundsätzlich andere Politik bereiten würde, die uns vorschwebt. Alles andere wäre ein kurzsichtiges Hechten nach dem schnellen, oberflächlichen Erfolg, das uns heute möglicherweise ein paar kümmerliche Prozente mehr bringt – ich glaube n i c h t einmal das -, aber auf lange Sicht ganz sicher keine alternativen Handlungsspielräume eröffnen würde. Wir müssen uns vom Einfluß der etablierten Medien freimachen, wenn wir nicht auf ewig am Nasenring geführt werden wollen. Mit ihnen erreichen wir nichts, nur gegen sie haben wir echten Erfolg. Ausnahmen wie Günther Lachmann bestätigen die Regel. Dieter Stein verkommt dabei – auch das hat die causa Höcke gezeigt – leider immer mehr zum Regelfall.

Wir können die Sache auch so sehen: Die etablierten Medien und Parteien wollen uns unter Garantie nichts Gutes. Die Forderung, wir müßten uns von Höcke distanzieren, um Schaden von der Partei abzuwenden, aber setzt voraus, daß uns das Establishment Gutes will. Würden wir uns von Björn Höcke distanzieren, würden wir genau das tun, was die etablierten Medien und Parteien wollen. Dazu drängen sie uns, in diese Richtung geht der Druck, den sie aufbauen. Wer glaubt, daß sie unser Wohl im Blick haben und unsere guten Ratgeber sind, der mag das tun, wozu sie uns drängen.

Seit jeher versucht die Mainstreampresse neue Parteien in eine Richtung zu treiben, die dem Establishment genehm ist und fördert innerhalb der Partei deshalb immer den systemkonformeren Teil, während sie den systemkritischeren zu schwächen sucht. Abschreckendes Beispiel sind die Grünen, die als echte Friedens- und Umweltschutzpartei begonnen haben und sich zu einer Partei umbauen ließen, die uns mit Genderblödsinn auf die Nerven geht, völkerrechtswidrige Angriffskriege gutheißt, die Verschandelung unserer Landschaft als Umweltschutz rechtfertigt und die Subventionierung nicht lebensfähiger Industrien auf Kosten der Allgemeinheit als erfolgreiche Wirtschaftspolitik verkauft.

Dieser Wandel war das Werk der sog. Realos und ihrer Unterstützung durch die Presse. Realos fungieren als Transmissionsriemen, der den Druck auf die Partei von außen in die Partei hineinträgt. Um diesen Mechanismus zu hemmen, sollten wir uns statt der Richtlinien, die wir als sperriges Erbe aus Lucke-Zeiten noch mit uns herumschleppen, besser einen Ehrenkodex geben. Dessen oberste Regel lautet: Wer im Feuer steht, weil er eine nonkonforme Meinung geäußert hat, wird verteidigt! Diffamierungskampagnen ausnutzen, um – mit dem Mainstream im Rücken – innerparteiliche Konkurrenten anzugreifen, ist absolutes Tabu.

Es spricht für Björn Höcke, daß er sich selbst niemals so verhalten hat. Er selbst hat niemals einen Parteifreund, der sich angreifbar gemacht hat, angegriffen, obwohl es durchaus Gelegenheit gegeben hätte. Und eben dadurch weist er sich als ein wahrer Patriot und treuer Diener der Sache aus. Dieses Faktum steht unbestreitbar wie ein Fels in der Gischt, die eine überschäumende Hetze nun produziert! Solche Politiker braucht unser Land. Opportunisten mit viel Erfahrung in etablierten Parteien, die wissen, wie man in Schlangengruben durchkommt und die alle Ziele verraten werden, sobald sie in Koalitionsverhandlungen sitzen, haben unserem Land den Ruin gebracht. Das Establishment hätte uns gerne als eine konforme Mehrheitsbeschafferin von 5 bis 10 %. Darauf arbeit es hin, darauf soll uns die Presse trimmen. Seine Horrorvision ist eine nonkonforme Partei über 30%. Das wiederum sollte unser Ziel sein. Höcke schadet dabei nicht; er ist dafür unverzichtbar.

Hans-Thomas Tillschneider