Achtung: Bernd Lucke lebt! ER ist weder tot noch hält ER sich in Südamerika versteckt, wie vereinzelt behauptet wurde. ER hat sich die Augenbrauen verdichten lassen, heißt jetzt „Dieter Stein“ und gibt eine Zeitung namens „Junge Freiheit“ heraus. Statt Rundbriefe an AfD-Mitglieder schreibt ER nun sowas:

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2015/desaster-fuer-die-afd/#comments

ER wollte Björn Höcke ja schon damals loswerden. Da die Nummer mit dem Parteiausschlußverfahren nicht geklappt hat, versucht ER es jetzt mit lausigen Fernsehkritiken.

Jeder, der am Sonntag die Sendung mit Günther Jauch gesehen hat, weiß, daß sie ein Befreiungsschlag für uns war. Seit Gründung der AfD sehen wir uns einem Dilemma gegenüber: Wenn wir die alternative Politik machen, für die wir angetreten sind, werden wir von den etablierten Medien schlechtgemacht. Und wenn wir nicht schlechtgemacht werden wollen, müssen wir uns in den Rahmen der etablierten Politik einfügen. Einen Ausweg scheint es nicht zu geben. Die Alternativmedien, auf die wir setzen, wachsen zwar stark, sind aber noch nicht stark genug; und den Machtapparat der etablierten Medien, den hauen wir nicht übers Ohr. Zwischen Anpassung und Einbunkerung schien es bis Sonntag keinen Ausweg zu geben.

Björn Höcke hat ihn gefunden. Er hat die Inszenierung der Show durchkreuzt, er hat den Januskopf umgedreht und die Schwäche hinter der vordergründigen Stärke des Gegners zum Vorschein gebracht. Das haben natürlich auch die Mainstreamedien erkannt, weshalb sie mit Selbstkritik nicht sparen: Jauch habe Höcke „eine Bühne geboten“, heißt es. Das ist so ziemlich das Schärfste, was ein Medienapparatschik dem anderen vorwerfen kann. Ganz genau stimmt es zwar nicht, denn Jauch wollte sicher vieles, nur nicht Höcke eine Bühne geben. Höcke hat sich die Bühne vielmehr erobert, und Jauch konnte das nicht verhindern. Schlecht gelaufen ist es jedenfalls – aus Sicht des Apparats!

Daß IHM das nicht passen kann, versteht sich von selbst, hat ER doch damals schon hartnäckig versucht, das Spiel des Apparats mitzuspielen. Kein Stöckchen, über das ER nicht gesprungen wäre, keine Distanzierung, die ER nicht auf Knopfdruck abgespult hätte. Höcke hat eben das nicht getan und ist trotzdem in keine dröge Bunkerhaltung zurückgefallen. Er hat angegriffen und hat es verstanden, den Apparat für uns zu nutzen. Höcke hat gezeigt, daß der nur scheinbar übermächtige Gegner besiegbar ist, wenn man sagt, was man denkt, wenn man Prinzipien hat, derer man sich nicht schämen braucht, und diese Prinzipien in der eigenen Person glaubwürdig vorlebt. Gegen Vaterlandsliebe nämlich läßt sich auch im Jahre 2015 in unserer Republik nichts vorbringen, was Substanz hätte.

ER weiß das auch und versucht nun – Ausdruck seiner Hilflosigkeit – folgendes: Die Selbstkritik der etablierten Medien, die uns recht gibt, blendet ER völlig aus, und stimmt dann in die gleichgeschaltete Kritik an Höcke mit ein. Mittlerweile trifft ER die Tonlage genau. Wenn ER von Höckes „hohlem nationalem Pathos“ spricht, dann klingt das so, als wolle er sagen, jedes nationale Pathos sei doch irgendwie hohl. Der Satz könnte im Spiegel stehen. Außerdem wirft ER Höcke vor, daß er eine Deutschlandfahne gezückt hat, deren Anblick IHM genauso Schmerzen bereiten muß wie Angela Merkel, hat ER doch damals während der dunklen Jahre seiner Herrschaft – erinnert Ihr Euch noch? – Deutschlandfahnen auf Demonstrationen verboten.

Die Frage, die sich uns jetzt stellt, ist: Wie gehen wir damit um, daß ER wieder da ist? Wir haben uns zu früh gefreut, als wir glaubten, mit seinem Abgang sei das Problem erledigt. ER ist leider auch ein Teil von uns, denn nur mit unserer Hilfe konnte ER sich damals so lange an der Macht halten. Ich will keiner Kollektivschuld das Wort reden, gebe aber zu bedenken: Der Schoß ist fruchtbar noch!

Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde. Sein Ungeist darf bei uns nie wieder Fuß fassen. Erteilen wir also jener Erzkarrieristenbürgerlichkeit, die ER ausstrahlt, eine klare Absage! Jene pausbäckige CDU-Zufriedenheit, jene Opportunistensittsamkeit, die nichts mehr ersehnt, als am großen Tisch sitzen zu dürfen, hat bei uns nichts verloren. Wir wollen nicht zum Apparat gehören, wir wollen ihn austauschen. Wir wollen keine etablierte Partei werden, sondern die Oligarchie der etablierten Parteien – die größte Feindin unserer Demokratie – aufsprengen.

ER will genau das nicht. ER will eine Scheinalternative aus uns machen, die nur so tut, als würde sie angreifen, aber die wirklich wunden Punkte und die wirklich offenen Fragen meidet. ER will eine Scheinalternative, die Protestpotential nicht verstärkt, sondern bindet und neutralisiert, damit es der Oligarchie nicht gefährlich werden kann. All das verkauft ER uns – vorgeblich wohlmeinend – als beste Strategie zum maximalen Wahlerfolg. In Wahrheit ist es eine Strategie der Erfolgsminimierung.

Wer einen Schreck bekommt, weil unser Nationalsymbol über eine Stuhllehne gehängt wird, den wollen wir nicht und den brauchen wir auch nicht, weder als Wähler noch als Mitglied. Wenn wir das tun würden, was wir tun müßten, um solche Sklavengeister zu gewinnen, würden wir viel zu viele der kritischen und freien Geister, die wir dringend brauchen, verprellen. Wollten wir nicht mit dieser schäbigen Verstellungstaktik brechen?

Den größten Erfolg werden wir haben, wenn wir glaubwürdig und ohne Extremismus an dem festhalten, was uns von allen etablierten Parteien unterscheidet: unsere aufrichtige Liebe zu Volk und Heimat und den festen Willen, unseren Staat gegen eine staatsgefährdende Masseneinwanderung zu verteidigen. Björn Höcke zeigt, wie das geht. Folgen wir ihm!

Hans-Thomas Tillschneider