Autorität (lateinisch auctoritas = Gewalt, Befehlsgewalt, Machtvollkommenheit, Geltung, Ansehen, Vorbild, Würde) bezeichnet aus konservativer Sicht „Führungsmacht (Herrschaft) kraft geistiger Gültigkeit“ (Othmar Spann).

Zentral ist das Verhältnis von Führenden und Geführten, beruhend auf „geistiger Gültigkeit“, d.h. Kraft der Überzeugung, der Überlegenheit und des Charismas der Autoritätsperson, deren Vorbild, Dienstgesinnung, Einsatz und Opferbereitschaft eine Gefolgschaft formt, die gerade nicht aufgrund von physischer Gewalt, sondern der vorgelebten Stärke die Treue zum Führenden beweist. Max Weber gründet alle Autorität auf der Wechselbeziehung von „‚Befehlsgewalt und Gehorsamspflicht‘, ganz gleichgültig, ob Autorität aus überlieferter Herrschaft, administrativer Verfügung oder Charisma hergeleitet wird.“ (Staatspolitisches Handbuch, Bd. 1: Leitbegriffe, S. 15). Hingegen findet sich bei Autoren wie dem Staatsrechtler Ernst Forsthoff die Auffassung, daß nur diejenige Autorität, die „die Ganzheit des Menschen (…) in Erscheinung“ treten lasse, wahre und vollkommene Autorität sei.

„Autorität genießt, wer für das Gemeinwohl einer sozialen Gruppe entscheidend verantwortlich ist und es nachhaltig fördert oder in seinem Fach sich durch hohe Kompetenz ausgewiesen hat.“ (Friedrich Romig: Autorität. – In: Caspar von Schrenck-Notzing (Hrsg.): Lexikon des Konservatismus. Graz 1996. S. 42.). Ohne Autorität ist der Erhalt von gemeinschaftlicher und institutioneller „Identität“, z.B. eines Volkes oder eines Staates, nicht denkbar. Hannah Arendt wies in ihrem Aufsatz „What is Authority?“ (1960) auf dieses wesentliche Momentum hin: „Die menschliche Gesellschaft kann weder gut geordnet noch fruchtbar sein, wenn es in ihr niemand gibt, der mit rechtmäßiger Autorität die Ordnung aufrecht erhält und mit der notwendigen Sorgfalt auf das allgemeine Wohl bedacht ist.“ Eine starke Autorität bringt für das Gemeinwohl „Eintracht, Friede, Ordnung, Gerechtigkeit, Geborgenheit, Sicherheit und Freiheit“, wofür sie Gefolgschaft und Wohlwollen verlangen kann: „Widerstand ist nur erlaubt, wenn die ausübende Gewalt das Gemeinwohl gröblich verletzt, ungerechte Anordnungen erläßt oder der sittlichen Ordnung widersprechende ergreift.“ (Friedrich Romig a.a.O., S. 43).

Die Menschheitsgeschichte war – begründet auf Tradition, Religion und Herrschaft – immer auch eine Geschichte von Autorität und ihrer Gefolgschaft, des Kampfes um Herrschaft, also Autorität, und der Ablösung alter zugunsten neuer Autoritäten. Die Versuche der 68er Bewegung, im Bündnis mit Vulgärmarxismus und Vulgärwissenschaft eine „Antiautoritäre Pädagogik“ und eine „Antiautoritäre Gesellschaft“ durchzusetzen, schritten in den vergangenen Jahrzehnten zwar voran, doch ihr Scheitern an der Realität menschlicher Gemeinwesen und menschlicher Charaktere ist offenkundig. Die Verwahrlosung und Destabilisierung westlicher Gesellschaften ist ein Resultat dieser Aushöhlung von Autorität.

Mag. Sebastian Pella