Eine grundsätzliche Konstante konservativer Weltsicht besteht in der Ablehnung des linken Gleichheitswahnes in Form der Überstilisierung der Menschenrechte und der Liberalismusdoktrin.
Dem setzt der Konservatismus das Prinzip der hierarchischen Ordnung entgegen, aus dem sich wiederum die Sympathie für autochthone Volkskulturen sowie die Ablehnung des multikulturellen und –ethnischen Gesellschaftsmodells ergeben.

Der Konservatismus wirkt immer als Gegenbewegung zu sozialen Neuerungsbewegungen, was konkret die Ablehnung der von den 68er-Ideologen angestrebten Gesellschaftsumgestaltung und den hieraus folgenden „Nebenwirkungen“ – Denationalisierung, Multikulturalismus, Neoliberalismus, Globalisierung, Destabilisierung des klassischen Familienbildes, „Umwertung tradierter Werte“ – bedeutet.

Obschon auf organisatorischer Ebene eine fehlende Homogenität innerhalb des Konservatismus zu verzeichnen ist, läßt sich „bei allen großen inhaltlichen Differenzen der einzelnen Fraktionen – von einem religiös bis hin zu einem national motivierten Konservativismus – in der Beurteilung […] der Gesellschaftsveränderung“ (Jost Bauch: Wer bringt die Verhältnisse zum Tanzen? – In: Sezession (12), Januar 2006. S. 17) durch die linksliberalen Kräfte ein Mindestmaß an Konsens konstatieren. Diese im besten Sinne reaktionäre Ausrichtung im konservativen Lager verliert aber ihre Geschlossenheit, sobald es an die inhaltliche Umsetzung der hieraus gewonnen Erkenntnissen in der realpolitischen Arena geht. Eine erfolgreiche konservative Politikgestaltung bedarf jedoch der Überwindung eines vornehmlich auf Gegenaussagen beruhenden Ansatzes.

Worin besteht das typisch konservative Weltbild? Neben der bereits dargestellten Orientierung an hierarchischen Strukturen existiert mit dem Kulturbewußtsein – ein Begriff der „ein Gesamt von Herkunft, Heimat und spezifischen Ausdrucksweisen“ (Karlheinz Weißmann: Das rechte Prinzip. – In: Sezession (3), Oktober 2003. S. 3) bezeichnet – ein Grundelement konservativer Anschauung, das eng mit dem Streben nach Traditionsbewahrung und -förderung verbunden ist. Denn Traditionsbruch gilt im konservativen Denken als Ursprung von Dekadenz und Ordnungszerfall, was in der kritischen Haltung gegenüber den Fortschritts- und Aufklärungsapologeten seinen Ausdruck findet.

Den von linker Seite als Glaubensersatz gefeierten Ideologien, die aus rechter Perspektive als Quell aller Inhumanität betrachtet werden, setzt der Konservatismus die Prinzipien Erfahrung und Vernunft entgegen, um auf der Grundlage eines realistischen Menschenbildes eine an Macht und Verantwortung orientierte Ordnung einzufordern. In diesem Zusammenhang steht die offensive Anprangerung des linksliberalen Paradigma des Egalitarismus. Der Egalitarismus zerstört menschliche Grundwerte und höhlt traditionelle Tugenden aus. Damit steht er dem konservativen Gleichheitsbegriff entgegen, der aus einer dezidiert rechtlichen Auffassung von Gleichheit die geistige, ethnische und moralische Ungleichheit der Menschen anerkennt.

In Anbetracht dieser unterschiedlichen Fähigkeiten postuliert der konservative Denker die Förderung der naturgegebenen Begabungen sowie die Herausbildung eines moralischen Verantwortungsgefühls für die autochthone Gemeinschaft und Identität. Hiermit eng verbunden ist der für den Konservatismus charakteristische, anthropologische Realismus, der die natürlichen Anlagen des Menschen als begrenzt ansieht.

Des weiteren tritt neben den dem konservativen Denken innewohnenden Organismusgedanken der Einheit von Volk, Staat und Nation „ein besonderes Interesse an ‚kadmeischen Feldern’ (Ernst Moritz Arndt), das heißt eine Situation, in denen neue, lebensfähige Ordnungen geschaffen wurden durch Heroen, Wundermänner, geschichtliche Persönlichkeiten“ (Karlheinz Weißmann a.a.O. S. 5-6.), auf denen das Vertrauen zu bestehenden Staatsformen und ihren Institutionen gründet.
Trotz der zahlreichen bewahrenden Elementen im Konservatismus (allein schon in der lateinischen Begriffsbedeutung – „conservare“ = erhalten, schützen, bewahren – angelegt) beinhaltete dieser stets die Idee und den Glauben an die Kraft eines notwendigen Wandels, was gemeinhin im Begriff „konservative Revolution“ seinen Ausdruck fand und findet.
In diesem Sinne schrieb Moeller van den Bruck: „Konservativ ist, Dinge zu schaffen, deren Erhaltung sich lohnt“ (zitiert nach: Caspar von Schrenck-Notzing: Konservatismus. – In: ders. (Hrsg.): Lexikon des Konservatismus. Graz 1996. S. 322.).

Mag. Sebastian Pella