Die inhumanen Ideologien von Globalisierung über Liberalismus bis hin zu einem oktroyierten Multikulturalismus schaffen – neben zahlreichen Negativeffekten wie dem allmählichen, aber steten kulturellen, demographischen und wirtschaftlichen Niedergang der abendländischen Völker – ein Bedürfnis nach Rückbesinnung auf den unmittelbaren Lebensraum: der Heimat als Hort von Sicherheit und Vertrauen!

Die Renaissance des Heimatgefühls spiegelt sich in einem zunehmenden Interesse an regionalen und lokalen Traditionen wider, die ein jeder in seinem lokalen Bezugsrahmen in den unterschiedlichsten Formen – Heimatgeschichte, traditionelle Veranstaltungen, regionale Küche, etc. – beobachten kann. Heimat ist ein Sinnbild „für überschaubare, bergende und damit letztendlich intakte Sozialbeziehungen“ (Jost Bauch: Die neue Lust auf Heimat. – In: JF 50/05 vom 09.12.2005, S. 18).

Aber was meinen wir eigentlich, wenn wir von Heimat reden? Zunächst einmal die naturgegebene, unmittelbare Umwelt, die für die menschliche Sozialisation eine Grundkonstante darstellt. Des weiteren existiert ein Heimatgefühl auch gleichzeitig auf verschiedenen geographischen Ebenen (Gemeinde, Region, Landschaft, Kulturkreis, etc.) sowie auf der geistigen Ebene der „ideellen“ Heimat. Der Begriff Heimat ist ein „raumbezogener und emotional besetzter Begriff“. In diesem Sinne wurde im 19. Jahrhundert Heimatgefühl mit dem Territorialitätsprinzip verbunden, um somit die „notwendige Identifikation mit einem begrenzten ‚eigenen’ Raum“ (Heinz-Siegfried Strelow: Heimat. – In: Lexikon des Konservatismus. Hg. von Caspar von Schrenck-Notzing. Graz 1996. S. 237-39, hier: S. 238) herzustellen. Heimat steht immer auch für Identität. Identität entsteht aus der Symbiose von Gemeinschaft, Raum und Tradition, wie sie der Heimat innewohnt. Heimat stillt dieses
menschliche Grundbedürfnis in einem kulturell strukturierten Territorium.

Doch was bedeutet dieses Heimatverständnis in der heutigen Zeit? Peter Dürrmann resümiert in seinem Buch „Heimat und Identität“: „Es geht also, wenn wir von Heimat sprechen, um die Verteidigung, die Bewahrung sowie die Selbstgestaltung der eigenen spezifischen Lebensumwelt. Diese Deutung von Heimat erwächst aus dem Unbehagen der Menschen an einer immer weiter um sich greifenden Nivellierung regionaler Unterschiede“ (Peter Dürrmann: Heimat und Identität. Der moderne Mensch auf der Suche nach Geborgenheit. Tübingen u.a. 1994. S. 93-94). Diese von den Apologeten der „Eine- Welt- Ideologie“ angestrebte Entwicklung hin zu einer weltumspannenden Einheits(un)kultur vernachlässigt bzw. ignoriert die natürlichste Gegebenheit menschlicher Existenz: ein tiefverwurzeltes Heimatgefühl, welches weit entfernt ist von einer Kultur der Beliebigkeit, die jeden Menschen auf die Rolle eines austauschbaren Objektes reduziert. Bereits Martin Walser schrieb 1993: „Als wer wird man den geboren? Als Kind einer Familie, einer Landschaft, einer Nation, eines Kulturkreises beziehungsweise Erdteils. Der deutsche Intellektuelle, der sofort nichts als Europäer sein will, muß den Europäern aus anderen Ländern bis zur Unwahrnehmbarkeit abstrakt erscheinen“ (Martin Walser: Deutsche Sorgen. – In: Der Spiegel. Heft 26 (1993): S. 40- 47, hier: S. 43.).

Die beschriebenen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen der globalisierten Welt erwecken „das Bedürfnis nach Identifikation mit überschaubaren, kleinräumigen und Geborgenheit vermittelnden Lebenskreisen“ (Strelow, a.a.O.).
Und hierin liegt die Chance für heimatverbundene Menschen zur Bewahrung traditioneller Heimatgefühle, denn Heimat ist auch Geschichte, die sich in „Märchen, Erzählungen, Bräuche[n], Lieder[n] und Erinnerungen“ (Hellmut Diwald: Ein Querkopf braucht kein Alibi. Szenen der Geschichte. Frankfurt, Berlin 1991. S. 11) als Tradition manifestiert und aus dem Einzelnen eine Gemeinschaft formen kann!

Mag. Sebastian Pella